Die Trüffel, ein Aphrodisiakum?                         


Die Trüffel hat einen ausserordentlich starken, animalischen, betörenden Duft. Griechen und Römer glaubten an heilende und aphrodisische Kräfte der Trüffel. Schon im zweiten Jahrhundert vor Christus sagte der Arzt Galenus, dass die Trüffel sehr nahrhaft sei und der Wollust zuträglich sein könne. In einer Legende aus den Marken soll Zeus sich hier in den Goldregen verwandelt haben, der die Prinzessin Danae schwängerte, und die Tropfen, die auf die Erde fielen, wurden zu Trüffeln. Da der Gott sich immer noch nach Danae sehnt, verwandelt er sich jedes Jahr in einen Goldregen, der im Herbst die Trüffeln wachsen lässt.


So wurden der mysteriösen Trüffel aphrodisische Eigenschaften zugeschrieben. Der grosse Gastronom Brillat-Savarin schrieb: „Wer Trüffel sagt, spricht ein grosses Wort aus, das beim Rock tragenden Geschlecht Erinnerungen an erotische Genüsse und Gaumenfreuden weckt und Gaumenfreuden und erotische Genüsse bei den Bartträgern. Diese doppelte Ehrung kommt daher, weil die berühmte Knolle nicht nur herrlich schmeckt, sondern auch weil man glaubt, dass sie eine Kraft verleiht, die das süsseste Vergnügen verspricht.“ Aber auch er ist sich nicht ganz sicher: "Die Trüffel ist kein eigentliches Aphrodisiakum, aber es kann bei gewissen Gelegenheiten die Frauen zärtlicher und die Männer liebevoller machen.

Die Sage von der Trüffel als Liebesknolle hält sich bis heute, auch wenn das keineswegs nachgewiesen werden kann. In seiner Zusammensetzung soll der Duft dem sexuellen Lockstoff des Ebers gleichen, der dem des Menschen ähnlich ist. Deutsche Forscher untersuchten in den Achtziger Jahren die Inhaltsstoffe der Périgord-Trüffel und fanden Androstenon, ein Pheromon mit einem starken Moschusduft analog dem der Hoden des Ebers, das vor der Brunst in die Speicheldrüsen transferiert wird. Die Forscher waren der Meinung, die biologische Funktion dieses Pheromons könnte die Hartnäckigkeit erklären, mit der das weibliche Schwein, die Bache, nach Trüffeln gräbt.


Diese Begründung, die den Mythos der aphrodisischen Eigenschaften wissenschaftlich zu bekräftigen scheint, hält sich hartnäckig. Leider ergaben ein Jahrzehnt später Experimente des französischen Chemikers Thierry Talou,  dass nicht ein Pheromon, sondern der schweflig riechende Duftstoff Dimethylsulfid die Anziehungskraft der Trüffel für Schweine und Hunde erklärt.

Sogar die Trüffelfliegen, die man dicht über dem Boden einer Trüffelfundstelle schwirren sieht, bevor sie dort ihre Eier ablegen, werden durch diese Moleküle angelockt.


Die Trüffelsucher sind eher realistisch, was die aphrodisischen Eigenschaften betrifft, auch wenn sie vom Mythos der Liebesknolle profitieren. Der Bauer und Trüffelsucher Ercole Mainero aus dem Piemont sagt: „Nach einer alten Sage sollen Trüffeln die Potenz anregen, aber ich weiss, dass sie nichts nützen. Und doch gibt es noch immer Leute, die daran glauben. Die Glücklichen! Vor allem Diplomaten, Doktoren und Advokaten wollen sich stark fühlen und geben Geld aus. Umso besser für uns!“


Aus dem Buch „Trüffel“ von Annette Frei Berthoud (Text)

und Thuri Maag (Rezepte)



zurück

A n n e t t e  F r e i  B e r t h o u d....................................................................................


I     HOME        BIOGRAFIE      I      BUCH      I      FILM UND VIDEO      I      AKTUELL      I      KONTAKT      I     LINKS     I     english      I